Unter dem Motto „Besser fräsen“ vertreibt die Hermle AG Fräsmaschinen und Bearbeitungszentren für wirtschaftliche Fräs- und Bohrbearbeitungen. Hermle befindet sich auf Erfolgskurs und so wurde das Automatische-Kleinteile-Lager als wesentlicher Bestandteil des neuen Logistikzentrums von TGW übersiedelt und erweitert. Und all dies innerhalb kürzester Zeit. Etwa 200 Meter weiter arbeitet nun das neue Logistikzentrum von Hermle.

Das Traditionsunternehmen Hermle, mit Sitz im deutschen Gosheim, arbeitet seit 2006 mit einer TGW-Tablaranlage im Bereich des Zentrallagers. Aufgrund des stetigen Wachstums, entschied sich das Unternehmen, die bestehende Anlage in ein neues Gebäude umzusiedeln und bei dieser Gelegenheit zu erweitern. TGW wurde als Generalunternehmer mit diesem Projekt betraut – das umfangreiche Know-how im Bereich von Retrofit-Projekten und die Realisierung des Bestandlagers führten zur Entscheidung für TGW.

Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Fräsmaschinen und Bearbeitungszentren. Hermle-Werkzeugmaschinen kommen aufgrund ihrer hohen Qualität und Präzision in anspruchsvollen Branchen wie Medizintechnik, optische Industrie, Energietechnik, Luftfahrt-, Automobil- und Motorsportindustrie sowie bei deren Zulieferern zum Einsatz. Als global aufgestelltes Unternehmen beschäftigt Hermle rund 900 Mitarbeiter weltweit, wovon etwa 700 am Standort Gosheim arbeiten. Dieser Standort ist gleichzeitig auch der einzige Produktionsstandort. Im Ausland befinden sich Service- und Vertriebsniederlassungen, von wo aus die internationalen Märkte vor Ort betreut werden. Nach einem äußerst erfolgreichen Jahr konnte Hermle den Konzernumsatz um 44% auf insgesamt 269 Mio. Euro steigern, der Jahresüberschuss konnte gar auf 41 Mio. Euro mehr als verdoppelt werden. Ein klarer Erfolgsfaktor für das traditionsreiche Geschäft. Die Investition von insgesamt 13 Millionen Euro für das Retrofit spricht für den Erfolg und entspricht dem hohen Qualitätsanspruch des Unternehmens.

 

Zentrallager umgesiedelt

„In unserem Warenlager verfolgen wir zwei Strategien“, erklärt Florian Beck, Projektleiter Logistik bei Hermle. „Wir arbeiten sowohl mit dem Mann-zur-Ware als auch mit dem Ware-zum-Mann-Prinzip. Wir verfolgen eine manuelle Entnahme im Bereich der Fachbodenregale, der Palettenregale und der Verschieberegalanlage, und dann natürlich das Prinzip Ware-zum-Mann im Bereich der automatischen Tablaranlage von TGW.“ Das alte Lager von 1985 wurde über die Jahre Stück für Stück erweitert und konnte die aktuellen Prozesse nicht mehr effizient ausführen. „Die Infrastruktur im Lager war doch schon in die Jahre gekommen“, so Beck. „Die Kapazitätserweiterung war im Zuge des Retrofits notwendig, um auch zukünftig unseren Anforderungen gewachsen zu sein. Diese Schritte waren für eine erfolgreiche Unternehmensführung unerlässlich.“

Für das neue Lager wurde etwa 200 Meter vom alten Standort eine neue Halle errichtet, in die es das gesamte Bestandslager umzusiedeln galt. Dazu kam die Umsiedelung des breiten Artikelspektrums mit 20.000 bestandsgeführten Artikeln und einem Warenwert von mehreren Millionen Euro. Das Zentrallager besteht aus einem Ersatzteillager und einem Montageversorgungslager, also einem Produktionslager. Demnach können die Waren zwei unterschiedliche Wege einschlagen: den weltweiten Versand durch das Ersatzteillager und die Versorgung der Montage. Diese beiden Lager wurden im Zuge des Retrofits in die neue Halle übersiedelt.

 

Retrofit mit TGW

„Die Fläche des ehemaligen Lagers wird jetzt für Montagezwecke verwendet“, sagt Beck, „denn durch die Aufstockung der Stückzahlen unserer Bearbeitungszentren brauchten wir wesentlich mehr Platz.

Die Entscheidung für TGW war von Seiten Hermle ganz klar. „Wir waren mit der Leistungsfähigkeit und den geringen Ausfallzeiten der Anlage sehr zufrieden. Deshalb war TGW natürlich unser erster Ansprechpartner“, erinnert sich Florian Beck. „Unsere Firmenphilosophie besagt auch, dass das investierte Kapital so lange wie möglich genutzt werden soll. Da die Anlage für uns zufriedenstellend gelaufen ist, mussten wir nicht lange überlegen, wen wir hier zu Rate ziehen.“ Zwei Jahre vor dem Retrofit hatte die Planung bereits begonnen. Die Wirtschaftskrise verursachte eine leichte Verzögerung des ambitionierten Vorhabens, doch als es konjunkturell bergauf ging, wurde das neue Logistikzentrum aktiv in Angriff genommen. „Wir waren damals bereits sehr gut vorbereitet, da wir schon gewisse Vorleistungen erbracht hatten. Wir konnten schon genau sagen, wie viele Stellplätze bzw. Tablarplätze wir benötigen würden und hatten schon eine genaue Vorstellung von der Anlage“, erzählt Stefan Oswald, Leiter des Zentrallagers bei Hermle. Vor Projektbeginn wurde die Terminkoordination mit allen beteiligten Dienstleistern im Detail abgesprochen, um die Verzahnung der diversen Modernisierungsarbeiten exakt abzustimmen und den knappen Zeitplan einhalten zu können.

 

Rekordzeit beim Umzug

Die Herausforderung an diesem Projekt war der knapp bemessene Zeitplan. Um die Abläufe von Hermle so wenig wie möglich zu stören oder gar zu unterbrechen, wurde das automatische Kleinteilelager (AKL) inklusive Regalbediengerät in Rekordzeit abgebaut und an den neuen, 200 Meter entfernten Standort gebracht. Der Wiederaufbau funktionierte durch die TGW-Experten reibungslos und das Lager konnte von Hermle nach knapp drei Wochen wieder befüllt werden.

Mitarbeiter von Hermle und TGW arbeiteten rund um die Uhr, eine minutiöse Planung ging diesem Projekt voraus. Sämtliche neuen Komponenten der Steuerung, wie der neue Schaltschrank der Fördertechnik, wurden während einer In-House-Testphase bei TGW getestet und parametriert, um vor Ort beim Kunden Zeit einzusparen. Diese Vorgehensweise inklusive Vorverkabelung sparte dem Kunden unnötige Stillstände im laufenden Betrieb.

Der Baubeginn für das neue Gebäude war Mitte April 2011. Fertiggestellt wurde das neue Hermle Logistikzentrum Ende September 2011. „Der Bezug bzw. der Umzug des bestehenden Lagers in das neue Logistikzentrum inklusive aller neuen Regalsysteme, natürlich auch der TGW-Anlage, musste dann im Monat Oktober 2011 erfolgen. Das heißt, wir hatten genau 30 Tage für den Bezug des neuen Logistikzentrums“, fasst Beck zusammen. Ein strikter Projektplan mit exakten Terminen wurde erstellt. „Wir haben mit allen Beteiligten tagesgenaue, ja schon fast stundengenaue Termine erstellt, und das Ganze konnte nur funktionieren, wenn alle Monteure ihre Termine einhalten. Und das hat hervorragend funktioniert“, freut sich der Projektleiter.

Das komplette Tablarlager wurde abgebaut, übersiedelt, wiederaufgebaut und in Betrieb genommen. Das eingassige automatische Kleinteilelager wurde im Zuge des Retrofit um 13 X-Positionen im Stahlbau erweitert, ebenso wurde die Vorzone um einen Querverfahrwagen vergrößert. „Eigentlich gab es zur bestehenden Anlage kaum Veränderungen. Wichtig für uns war die Vorzone, die wir auf die neuen baulichen Gegebenheiten anpassen mussten“, so Beck. „Wir hatten vorher die Ein- und Auslagerung seitwärts zur bestehenden Regalgasse. Das haben wir umgebaut, dass die Entnahme und Einlagerung jetzt vor der Regalgasse stattfindet. Dazu mussten wir die Vorzone etwas verlängern und einen Querförderer einfügen“, erklärt Lagerleiter Oswald.

Zwischenzeitlich mussten auch die Tablare in dem Palettenregallager zwischengelagert werden. Beim Umzug bei laufendem Betrieb wurden schließlich am Wochenende die Tablare zurück ins Lager geräumt. „Tagsüber war Normalbetrieb, in der Nacht und am Wochenende wurde am neuen Lager gearbeitet. Und am Montag darauf musste die Produktion problemlos weiterlaufen und die Ersatzteileversorgung jederzeit gewährleistet sein,“ sagt Florian Beck. In den Lieferumfang von TGW fielen neben den Maschinen auch die Software und das Lifetime Service. Das Bestandsregalbediengerät Stratus mit Spectra Lastaufnahmemittel blieb unverändert im Einsatz.

 

Spannende Übersiedelung

„Besonders spannend war die Übersiedelung des Regalbediengerätes. Wir hatten leider keine Öffnung, die groß genug war, um das Regalbediengerät stehend in das neue Lager zu befördern. Also mussten wir es kippen und horizontal umsiedeln. Das Kippen war gar nicht so einfach! Mit zwei Staplern haben wir das RBG dann an die neue Stelle transportiert und wieder aufgestellt“, erzählt Stefan Oswald, „wir haben quasi rund um die Uhr gearbeitet, 24/7.“ Die Arbeiten fanden meistens nachts statt, um den Betrieb tagsüber nicht zu stören. „Wir haben auch die TGW-Monteure teilweise nachts aus den Betten geklingelt. Für uns war es sehr wichtig, dass ständig jemand von TGW mit dabei war. Teilweise mussten wir wirklich nachts Zusatzschichten einlegen, es war von TGW immer jemand für uns da.“ Der Fertigstellungstermin hatte oberste Priorität, da die Fläche des alten Lagers ab November 2011 bereits für die Montage eingeplant war, um neue Umsätze zu generieren. Florian Beck: „Es war ein sehr spannendes Projekt.“

Neben der Verlängerung des Automatischen Kleinteilelagers (AKL) und der Optimierung der Vorzone, wurde der Kommissionierarbeitsplatz neu gestaltet. Zusätzlich zu einem kleinen Kettenfördertechnikbereich wurde auch noch ein Querverschiebewagen gebaut, um die Tablare vom Lager zu den Arbeitsplätzen zu transportieren. Einige Pufferplätze erleichtern die Arbeit an den Kommissionierplätzen, die mit Wiegeterminals und einer Rücklagerstrecke ausgestattet sind. Ende Oktober 2011 wurde die Gesamtanlage in Betrieb genommen.

 

Hermle steht für Qualität – so auch die Logistik

Hermle misst dem Bereich Service und der Ersatzteilverfügbarkeit enorme Bedeutung bei. „Wir versprechen unseren Kunden, dass die Ersatzteile sofort verfügbar sind – weltweit. Das heißt, wenn die Ersatzteilanforderung eingeht, werden die benötigten Teile sofort kommissioniert und zum Kunden bzw. zu unseren Servicetechnikern verschickt. Aus diesem Grund ist es für uns enorm wichtig, dass die Anlage läuft“, versichert Beck. Oswald ergänzt: „Die hohen Anforderungen, die wir unseren Kunden gewährleisten, müssen natürlich von der Anlagentechnik im Lager mitgetragen werden.“ Servicequalität als absolutes Optimum bei Hermle. Die Führungsposition in der Kundenzufriedenheit ist ein Anspruch, den Hermle stets verfolgt, auch mit Hilfe der Logistik im Haus.

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TGW Presseinformation: Hermle fräst besser mit TGW DOC 136.00 KB
Im automatischen Kleinteilelager befinden sich 1.836 Stellplätze für drei verschiedene Tablarhöhen. JPG 274.33 KB
Die Vorzone zum AKL wurde an die baulichen Gegebenheiten angepasst. JPG 369.47 KB
13 Millionen Euro wurden insgesamt in das Retrofit-Projekt investiert. JPG 1.18 MB
Das neue Bearbeitungszentrum C60 von Hermle wird in Gosheim produziert. JPG 296.89 KB